Sonntag, 17. April 2016

Von Eseln und Eseln

Von Eseln und Eseln                                                              4. März 2015, in Ilmenau

Richard Niedler

Das









ist ein Esel.

Und das 













Wir bewegen uns in einer Zeit, die vielen Veränderungen ausgeliefert ist:

Technischen Neuerungen, die einerseits das Leben einfacher und einseitig besser machen, aber auf der anderen Seite weniger verständlich  und begreifbar werden.
Ergreifenden Mediensensationen, die uns mit Produktneuheiten Bedürfnisse einbläuen, sich unbewusst von immer mehr Besitz abhängig zu machen.

Abnormen Erwartungen, die sich uns angesichts funktionsfixierten Arbeitsmarkts und durch mediale Einflüsse auf allen Kanälen zu Depressionen stressen.
Und zu guter Letzt Verminderungen natürlicher Ressourcen und Steigerungen des Drucks, effektiv nachhaltiger auf der Erde zu gastieren.

Es gibt viele Meinungen zum Fahrradfahren.
Hier kommt meine.



Der Esel, weder das Tier noch der Autofahrer, sondern der mancherorts antiquitäre Drahtesel, kann ein Weg in die richtige Richtung sein.
Fahrradfahren spart die Geldausgaben ein für:
PKW-Führerschein, Kfz-Anschaffung, Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer, Kfz-Reparatur, Kfz-AU & Kfz-HU Fahrradfahren spart den Stress, der beim Autofahren durch Lärm, Hektik & Hetze und andere unfähige Autofahrer unbewusst, weil gewöhnt, ausgelöst wird.
Fahrradfahren baut sogar Stress durch körperliche Aktivität natürlich ab. Die Flucht in Bewegung ist, Vesters Phänomen Stress lehrt, eine uralte instinktive Stressreaktion, die heute immer mehr unterdrückt wird.
Und wenige wissen, wie wichtig, die Fitness Umschau lehrt, gesunde Beinmuskulatur überhaupt für den ganzen aufsitzenden Körper ist!
Fahrradfahren erspart auch einige Unabhängigkeiten und bringt Freiheit zurück.

Das Fahrrad lässt sich in der makro-mechanischen Funktionsweise noch bei Defekten  durchschauen. Es besteht bei all der Einfachheit kaum Defektpotenzial. Dies befördert das Fahrrad zu einem verlässlichen Verkehrsmittel.
Bei all den Abwendungen von Natur zu Technisierung, Optimierung, Verunnaturierung, bildet das Fahrradfahren auch noch einen direkten offenen Bezug zur Welt, zur Natur! Natürlich ist es weniger "anonym" und abgekapselt, abgeschlossen.
Die Physik noch einmal ins Auge gefasst, und auch die Leistungsgesellschaftsmentalität, macht Fahrradfahren genau das erfahrbar, was Arbeit im eigentlichen Sinn ist.
Arbeit ist dabei, ganz und gar nicht entfremdet, die geleistete Muskelarbeit, um das Körpergewicht X entlang der zurück gelegten Strecke von A nach B zu bewegen.
Je mehr Kraft in die Pedale gestemmt wird, umso schneller gelangt der Radler ans Ziel und umso mehr hat er geleistet.
Das schadet seinem Selbstbewusstsein anhand des sichtbaren Erfolgs ganz im Gegenteil.

Fahrradfahren emittiert gar keine Schadstoffe, wobei selbst die Nachhaltigkeit aufkommender Elektroautos mit ihrem Stromverbrauch sich erst mit dem Wachstum effektiverer erneuerbarer Energien einstellt.
Und der Bio-Kraftstoff, vielleicht musste dafür der eine oder andere Esel schon verhungern.
Aber mit dem Drahtesel sei man so unglaublich langsam. Das koste so viel Zeit. Und Zeit ist Geld. In dem Fall könnte man seine wirklichen Bedürfnisse neu überdenken, das "Zeitdiktat" entlockern und dann bewusst mit dem Fahrradfahren ein Zeichen setzen für den in Mode gekommenen und wichtigen Begriff der"Entschleunigung" setzen.
Gegen die Zeitverknappung, den Turbo-Abi-Wahn, die Verflachung und Quantität von Information auf Kosten der Tiefe und Qualität. Vielleicht gegen manchen "technischen Fortschritt", wenn dieser durch mehr Arbeit in kürzerer Zeit Arbeitskräfte, sogenannte Human Resources, in die Freiheit entlässt.
Fahrradfahren aber kann aus so einigen Perspektiven als "sozialer Fortschritt" durchaus willkommen geheißen werden, wenn es die Menschen von sich weniger isoliert und die Erde, in der wir und nachfolgende Generationen noch zu leben gedenken wollen, schützt.
Nicht zu vergessen: Bedrohte Tierarten!

In diesem Sinn:
Sei kein Esel!
Fahr den Esel!

Jeder hat ein Rad.
Fahr es . el

Yoga-Stunde

Yoga-Stunde

Verspannt und müde bin ich jetze,
ich mich auf meinen Drehstuhl setze.
Ich bin kaputt, ich bin geschafft,
da hab ich Yoga-Musik
auf Youtube angemacht.

Die Füße hoch, im Schneidersitz,
Die Augen zu, zu einem Schlitz,
Vor meinem Computer,
fahr ich mich runter.
atme ich tief, atme ich ein,
atme ich aus – und wieder ein.

Das Ticken der Uhr, das nervt mich sehr!
Das halte ich nicht aus. Batterien raus!
Und ich atme tief ein – und wieder aus.

Die nächste Störungsquelle! Ist die noch ganz helle?
Meine Tür quietscht unerhört. Das stört!
Der Tür geh ich an den Kragen, wie soll ich sagen,
die Alte will mich doch verarschen!
Tür aus der Angel raus.
Und ich atme tief ein – und wieder aus.

Die Augen wieder zugemacht,
draußen plötzlich ein Krach.
Die Kirche läutet zum Gottesdienst,
Die Ruhe am Sonntag sei mir vermiest.
Unerhört! Da hab ich mich beim Pastor beschwert.
Ich meditiere, brauche Ruhe,
was stören Sie in dieser Frühe.

Ich atme hastig ein und schnell wieder aus,
die Aufregung macht mich ganz müde.

Ich mache die Musik aus – und schlafe ein.

Sonntag, 10. April 2016

WC 3.0

WC 3.0

Es war mal wieder einer dieser Tage. Dieser Tage, an denen ich spontan eine Toilette benötigte. Und zwar dringend. Also machte ich mich auf die Suche nach einer öffentlichen Toilette, welche es zumindest auch in meiner Heimatstadt gab.
Es war das Jahr 2020, als ich während eines Tagesausflugs in Ilmenau von akutem kotalen Entladungsdruck überrascht wurde.
Mein Verdacht, eine Toilette am Busbahnhof zu finden, bestätigte sich rechtzeitig. Ich schaute noch einmal auf die Uhr, einmal hinter mich und drückte den grünen der Knöpfe. Ja, ich habe die schlechte Angewohnheit, vor jedem WC Besuch genauestens auf die Zeit zu achten. Denn Zeit ist Geld.
Das ovale Portal öffnete sich mit einem hydraulischen Zischen.
Reflexartig setzte ich den ersten Fuß durchs Portal. Rasch zog ich das zweite Bein in die Kabine hinterher.
Und schon hörte ich das automatische Verriegeln des Portals hinter meinem Rücken.
Ohne den Raum richtig wahrgenommen zu haben, brachte mich ein Fließband oder Laufband im Bruchteil von Sekunden vor die Kloschüssel, worauf mich ein Paar Roboterarme hob, unterdessen eine Kamera mein Gesicht scannte "Pieeeeeep. Dringende Notdurft wurde analysiert."
Mir rann eine Schweißperle die Nase runter, die noch bevor ich sie mit meiner Zunge erreichte, von einer Art Sauger geklaut wurde.
Kurzzeitig beruhigte ich mich etwas.
Während die Technik wieder hinter den Kacheln an der Wand verschwand. Vor lauter Aufregung war mir plötzlich nicht mehr danach zu scheißen. Viel eher war ich in der Stimmung zu laufen, wegzurennen, die Flucht zu ergreifen. Trotzdem hatten die seltsamen Apparate mir bereits die Hosen runtergezogen und ich saß auf der Klobrille.
Alles machte plötzlich einen ganz normalen Eindruck, wenn ich nicht wüsste, was passiert war. Oder war ich auf der Toilette eingeschlafen? Da war ein Waschbecken, ein Trockner, ja sogar Klopapier neben mir.
Ich wollte mir gerade die Hose hoch ziehen, da pikste mir etwas von unten in meine vier Buchstaben.
"Infektion aus Schweißperle analysiert.", ertönte die Roboterstimme.
Ich wollte aufspringen und laufen!
Vor Panik und Schmerz!

Ich verhedderte mich in meinen Hosen und fiel bauchlings auf die Fliesen. Keine Ahnung, was dann passierte. Weißt du es?




//
"Dieses Bild soll eine Geschichte erzählen.
Ich bin nicht so gut im Geschichtenerzählen und schweife oft vom Hauptgedanken ab. Leider... Nun gut:
Schwarz.
2016
Schwarz
Man sieht das Bild.
Die Kamera fährt über den roten Teppich zum Portal vor.
Das Portal schwebt zur Seite und macht den Weg frei.
Im Inneren schließt sich das Portal schnell.
Wir sind gefangen im WC 3.0.
"Willkommen. Willkommen zu WC 3.0!", erklingt eine Roboter-Frauenstimme.
Innen ist alles weiß gefliest. Es gibt nur eine Luke im Boden.
Ein roter Sessel fährt hoch.
"Setzen Sie sich, bitte!"
Es wird sich gesetzt.
Ein Roboterarm hebt uns in die Luft und uns wird die Hose ausgezogen.
"Entspanend Sie sich, bitte!"
Um und sie Arbeit zu erleichtern kommt nach einem gefährlichen Messerschleifen-Geräusch ein zweiter Robotoerarm mit gefährlichem Aufsatz, der uns in den Hintern gepresst wird. Wir werden entpumpt.
Es ist zwar beim ersten Mal etwas schmerzhaft, aber durch diesen Vorgang sparen wir uns die "Drückarbeit" und müssen uns nicht die Hände schmutzig machen.
Am Ende gibt uns das WC noch ein paar Ernährungstipps für eine bessere Verdauung.
Das Portal entlässt uns wieder in die Freiheit."

Donnerstag, 7. April 2016

Bewerbung Nr.122

Bewerbung Nr.122

Sehr geehrte Damen und Nicht-Damen,
Ich begrüße Sie herzlich in Gottes Namen, so sage ich Amen.

zuletzt bekam ich viele Absagen,
Man packte mich am Kragen, lehrte mich das Verzagen...

Dabei habe ich gehört, man solle beim Bewerben aus der Masse herausstechen, brechen alle Norm,
darum bewerbe ich mich heute mal in Gedichtsform.

Ich bewerbe mich auf Ihre Stelle,
www.jobboerse.arbeitsagentur.de/ war meine Quelle.

Ich bin Schüler des Ästhetischen Profils mit Kunst und Musick.
Ich bin sportlich und nicht dick.

Ich bewerbe mich in Ihrem Unternehmen, denn meine Stärken liegen ganz im Einvernehmen mit jenem.

Ich bin kreativ, selbstbewusst sowie zielstrebig und sozial.
Und das sind nur 4 meiner Stärken an der Zahl!

Ehrlicherweise ergänze ich noch ein paar Schwächen.
Dazu gehören eindeutig eine minimale Sehschwäche und eine Schwäche für Schokolade (Kinderriegel).
Schade Schokolade, ich spinne gerade.
Eine echte Schwäche wäre die Sache mit der Sozialität, die bei mir schon fast selbst benachteiligend gegenüber steht.

Ach machen wir's kurz:
Ich bin der Richtige für einen Platz,
Ich bin ehrgeizig und mehr
Meine Stärken wiegen schwer,
Und das hab ich jetzt gefasst in einem Satz.

Ich wäre überaus froh über ein paar nette Worte, falls Ihnen diese jetzt nicht fehlen.

Liebe Grüße